Betrunken ohne Alkoholkonsum


Brauerei im Darm
Polizist führt bei einem jungen Mann einen Alkoholtest in der Atemluft durch.
mauritius images / Manfred Rutz

Ohne Alkoholkonsum betrunken werden? Das klingt erstmal nach einer faulen Ausrede. Doch es gibt tatsächlich Menschen, denen kann genau das passieren. Sie leiden unter dem sogenannten Eigenbrauer-Syndrom.

Verwaschene Sprache, schwankender Gang

Das ist wirklich ein Alptraum: Obwohl man keinen Schluck Alkohol konsumiert hat, fühlt man sich auf einmal so, als hätte man gewaltig über den Durst getrunken. So erging es einer 50-Jährigen etliche Male. Mit Alkoholfahne, verwaschener Sprache und Stürzen aufgrund unerklärbarer Schläfrigkeit wurde sie mehrmals in die Notfallambulanz gebracht. Dort schien die Sache klar: Die Frau hatte eine Alkoholvergiftung. Und das immer wieder: Alle paar Monate traten die Episoden erneut auf, und regelmäßig wurde sie mit ihren Beschwerden in die gleiche Schublade gesteckt.

Pilze am Werk

Dort passte sie allerdings nicht hinein: Denn aufgrund religiöser Überzeugung rührte die Frau schon seit mehreren Jahren keinen Alkohol an, was auch von ihrer Familie glaubhaft beteuert wurde. Beim siebten Besuch in der Notaufnahme - mit einem Blutalkoholspiegel von 2,9 Promille - geriet die Frau endlich an einen skeptischen Arzt: Der stellte die Verdachtsdiagnose Eigenbrauer-Syndrom. Er verschrieb ein Medikament gegen Pilze und schickte die Patientin zum Gastroenterologen.

Beim Eigenbrauer-Syndrom kommt es im Darm zu einer Alkoholgärung. Man nimmt an, dass Pilze die normale Darmflora überwuchern und dann beginnen, Zucker zu Alkohol zu zersetzen. Der gelangt dann ins Blut und wirkt genauso wie getrunkener Alkohol. Begünstigt wird die Pilzwucherung wahrscheinlich durch die Einnahme von Antibiotika. Das vermutete man auch bei der Patientin: Sie hatte aufgrund von wiederholten Harnwegsinfekten häufig Antibiotika eingenommen.

Antimykotika legen die Brauerei still

Behandelt wird das Syndrom mit Antimykotika (Pilzmitteln) und einer kohlenhydratarmen Diät. Damit die Darmflora sich normalisiert, wird zusätzlich die Einnahme von Laktobazillen empfohlen. Auch die 50-Jährige wurde mithilfe dieser Therapie endlich beschwerdefrei. Außerdem riet man ihr und ihrem Hausarzt, in Zukunft zurückhaltender mit antibiotischen Behandlungen zu sein.

Das Eigenbrauer-Syndrom ist zwar selten, schreiben die Autor*innen. Trotzdem sollte es vor allem in Notaufnahmen besser bekannt sein. Denn die Fehldiagnose Alkoholintoxikation kann für die Betroffenen erhebliche rechtliche, soziale und berufliche Folgen haben.

Quelle: Ärztezeitung

Unser starker Partner

News

Vor Sonne und Stichen schützen

Mann steht vor Palmen und sprüht sich ein Mückenschutzmittel auf den Unterarm.

Sommerliche Herausforderung

Im Sommer möchte man sich meist sowohl vor Mücken als auch vor Sonnenbrand schützen. Was ist dabei zu beachten?   mehr

HPV-Impfung gegen Krebs
HPV-Impfung gegen Krebs

Für junge Menschen empfohlen

Humane Papillomaviren können Krebs verursachen. Eine Impfung gegen das Virus kann davor schützen – doch wie funktioniert das und wer sollte sich impfen lassen?   mehr

Stärker mit Kreatin?
Stärker mit Kreatin?

Hilft nicht immer

Nahrungsergänzungsmittel zur Verbesserung sportlicher Leistungen sind beliebt. Aktuell besonders beworben wird Kreatin. Was sagt die Wissenschaft dazu?   mehr

Erhöhte Malariagefahr in Namibia
Erhöhte Malariagefahr in Namibia

Deutlich mehr Fälle

Wer in der nächsten Zeit nach Namibia reisen möchte, sollte Mückenschutz und Malariaprophylaxe besonders ernst nehmen. Denn Namibia erlebt derzeit einen ausgeprägten Anstieg von Malaria-Infektionen.   mehr

Gefahr für Nierensteine steigt
Gefahr für Nierensteine steigt

Wenn es immer heißer wird

Mit Nieren- und Harnleitersteinen muss man im Zeiten des Klimawandels auch hierzulande wohl häufiger rechnen. Da hilft nur eins: ausreichend trinken. Ganz besonders gilt das für bestimmte Risikogruppen.   mehr

Alle Neuigkeiten anzeigen

Ratgeber Thema im Juni

Das hilft Kindern mit Neurodermitis

Das hilft Kindern mit Neurodermitis

Haut schützen, Auslöser meiden

Mit starkem Juckreiz und oft deutlich sichtbaren Hautveränderungen belastet die Neurodermitis Kinder ... Zum Ratgeber
Robert-Koch-Apotheke
Inhaberin Elke Koch-Böhn
Telefon 0621/62 85 35
Fax 0621/62 82 59
E-Mail roko.apo@t-online.de